Spannende Konfrontation
Toto Blanke und Rudolf Dasek: Konzert in Hageböllings Skulpturenpark
VON URSULA MEYER
.Paderborn-Sennelager. Als stünden sie schon seit Jahrhunderten da!
Wilfried Hageböllings stählerne Monumente sind scheinbar für die
Ewigkeit gebaut, auch wenn Rost und Erosion ganz langsam ihre Arbeit
tun. Wie friedliche Dinosaurier bevölkern sie den malerischen
Skulpturenpark in Sennelager, werfen Schatten und strahlen kupferrot im
Abendlicht.
Die meisten sind begehbar, man kann in ihren Kern vordringen und die
eiserne Akustik prüfen. Von innen und außen.
Die spannende Konfrontation zwischen Stahlskulpturen und akustischer
Gitarrenmusik lockte am Samstag gut 200 Fans zum malerischen
Skulpturenpark, auch wenn das Wetter nicht ganz so toll war, wie in den
letzten Wochen. Denn das Duo Toto Blanke und Rudolf Dasek lässt auch die
feuchteste Kälte vergessen, das weiß man in Paderborn.
Stühle gab es auch kaum (O-Ton Hagebölling: "In Woodstock gab es auch
keine Sitzplätze!"), doch viel hatten noch ihre sommerliche
Picknickausrüstung im Auto.
Die Bühne bestand aus einem weißen Partyzelt, und eine geniale
Tontechnik, die die beiden akustischen Gitarren ohne Reibungsverluste
bis in den letzten Winkel des Parks leise verstärkte, machte das Idyll
perfekt. Gegrillt wurde aber nicht.
Man weiß, was einen erwartet, wenn man eine Eintrittskarte für Toto
Blanke und Rudolf Dasek erwirbt: Den quirligen Toto, der die akustischen
Gitarren immer wieder mit seinem schon oft beschriebenen Orgelton
andächtig verschrägt, den viel, viel ruhigeren Rudi, der manchmal
stoisch den Vierer durchzieht, was ihm in seiner Prager Heimat den
Beinamen "Old Shatterhand" eingetragen hat. Beide zusammen vereint in
einem Klang, der niemanden kalt lässt.
Sei es die berühmte Mona Lisa, die gleich im ersten Set erklang, Grüße
aus Grinzing, eine neues Werk von Toto, Tramontana und Renasciemento,
alte Bekannte im immer wieder neuen Outfit. Mal dehnen sie die Tempi,
dass die Spannung zum Zerreißen steigt, mal fetzt es los, dass es kaum
noch jemanden auf seiner Picknickdecke hielt und die freundlichen
Fledermäuse sich achtungsvoll verzogen.
Zum Schluss wurde sogar getanzt, Tango natürlich, schon um die feuchte
Kälte abzuschütteln, die sich langsam aber unerbittlich ausbreitete.
Neue Westfälische 25. August 2003